Deutschland, Dein Sommermärchen ist vorbei, bevor es überhaupt richtig angefangen hat!

Die deutsche MännerNationalelf ist aus der Gruppenphase der FußballWM geflogen und das Fußballfieber ist ganz schön abgekühlt. Auch wer sich wie ich nicht für Fußball interessiert, musste das mitbekommen. Was ich dagegen wirklich fast verpasst hätte: Dass 100 Menschen vor der Küste Libyens im Meer ertrunken sind. Dass die Länder der Europäischen Union die Verantwortung für diese Menschen nur mit spitzen Fingern anfassen wollten wie eine im Rucksack vergessene und verschimmelte Brotzeitdose. Es gab ein Rettungsschiff, das Menschen, die in Schlauchbooten über das Meer trieben und zu ertrinken drohten, aufnahm “ Lifeline” heißt es. Anschließend tuckerte es sechs Tage lang mit 230 Menschen an Bord über das Meer, bis es endlich die Genehmigung bekam, in einen sicheren europäischen Hafen einzulaufen.

Ich frage mich manchmal, ob ich schockierter von solchen Nachrichten wäre, wenn 100 Deutsche in der Nordsee ertrinken würden. Vielleicht bin ich ja auch nur so abgestumpft, weil diese Nachrichten seit Jahren nicht abreißen. Weil sie sich wiederholen, wieder und wieder. Es wiederholen sich die Vorwürfe an die Schlepper, die Politik und die Helfer. Es wiederholen sich die Ängste und die Unsicherheit. Es wiederholen sich die Märchen von den Leuten, die nach Deutschland kommen, um dem Sozialstaat hier auf der Tasche zu liegen. Es wiederholen sich die Märchen von der schleichenden Unterwanderung des christlichen Abendlandes durch den Islam.

Aber ich will nicht an Märchen glauben. Ich glaube an den Gott Abrahams, der in ein Land aufgebrochen ist, das ihm von Gott als “Segen” versprochen war. Ich glaube an den Gott Isaaks, Jakobs und Davids, die geflohen waren, weil sie in hrer Heimat zu Recht und zu Unrecht verfolgt wurden. Ihnen allen hat Gott einen Neuanfang unter seinem Schutz und Schirm versprochen. Nicht aus Spaß und weil er gerade nichts Besseres zu tun hatte: Sondern weil sie Menschen waren, die Zuflucht suchten. Die Menschen auf der Lifeline, die schließlich in Malta an Land gingen, sind keine “Asyltouristen”. Sie sind nicht zu einer Urlaubsreise aufgebrochen, sondern um ihr Leben zu retten. Ihre Gesichter und ihre Körper erzählen davon. Und die erzählen keine Märchen.

Ich will nicht an Märchen glauben. Denn ich glaube an einen Gott, dessen Wahrheit da beginnt, wo unsere Weisheit endet. Da, wo mir andere Märchen erzählen wollen, will ich an den Gott des neuen Anfangs glauben, der Segen und Zuflucht verheißt. Da, wo die Märchen enden, glaube ich an den Gott, der das Leben verheißt und nicht den Tod besiegelt. Den Gott der Auferstehung. Der in Jesus Christus von sich sagt “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.” Ich glaube, da wo sich Menschen auf den Weg machen, um das Leben zu suchen, da sind wir verpflichtet, nach der Wahrheit hinter den Märchen zu fragen. Und sollten den Märchenerzählern nicht länger glauben.

Ihre Vikarin Dr. Sabrina Hoppe