Liebe Gemeinde,

was war das für ein Sommer, so richtig warm und heiß, ein Bilderbuch Sommer. Ja, und erst der Herbst, wunderschön und mit warmenTemperaturen und blauem Himmel. Und schon höre ich erste Vermutungen über den Winter, vielleicht wird es ein richtig kalter Winter mit Schnee und weißer Weihnacht. Richtig Weihnachten ist es doch erst, wenn es klirrend kalt ist, der Schnee glitzert und man mit Kerzen und weihnachtlicher Dekoration, mit Glühwein, Plätzchen und Bratapfel kuschelig Zuhause feiert. Die ganze Familie kommt zusammen, man geht gemeinsam in die Kirche und singt unterm festlich geschmückten Baum. Oder ist ihnen dieser Weihnachtsrummel zuviel und sie verbannen allen Schmuck und Dekoration aus ihrer Wohnung und eigentlich mögen sie gar keinen Schnee? Sie wünschen sich Ruhe und Frieden, geht es nicht darum an Weihnachten? Dass Jesus als Kind in die Welt gekommen ist? Rolf Krenzen drückt in seinem Gedicht „Wann fängt Weihnachten an“ für mich gut aus, wozu Jesus in die Welt gekommen ist, und was das Weihnachtsfest in unsere Welt bringen will. Die unendliche Hoffnung auf eine gerechte, gleichberechtigte Welt, in der jeder und jede gehört wird und sein Leben als von Gott geliebtes Kind in Freiheit und Frieden leben kann. Ich denke, darauf kommt es an und mir tut es gut, dass mit viel Freude und Glanz, manchmal mit Dekoration und Schnee zu feiern, denn es ist ja wirklich eine ganz besondere Hoffnung. Aber manchmal tut es mir einfach nur gut, alle Dekoration wegzulassen und ganz still zu werden, um mir in Ruhe wieder neu bewusst zu machen, wann Weihnachten wirklich anfängt und wie ich dieses Licht von Weihnachten weitergeben und bewusst leben kann.

Wann fängt Weihnachten an?
Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt,
wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt,
wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt,
wenn der Laute mal bei dem Stummen verweilt,
und begreift, was der Stumme ihm sagen will,
wenn der Leise laut wird und der Laute still,
wenn das Bedeutungsvolle bedeutungslos,
das scheinbar Unwichtige wichtig und groß,
wenn mitten im Dunkel ein winziges Licht
Geborgenheit, helles Leben verspricht,
und du zögerst nicht, sondern du gehst,
so wie du bist, darauf zu,
dann, ja dann fängt Weihnachten an.

Ich wünsche Ihnen allen ein fröhliches und vor allem friedliches und gesegnetes Weihnachtsfest.

Ihre Pfarrerin Betina Heckner