Aktuelles

28.03.20 17:03 - Gedanken zum Sonntag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Der zweite Sonntag ohne Gottesdienst. Es beschleicht mich ein bedrückendes Gefühl, wenn ich um 10.30 Uhr in die Friedenskirche gehe und die Glocken läute. Jetzt beginnt der Gottesdienst, doch keine Besucherinnen und Besucher sind da, die mitfeiern. Mein Verstand weiß, dass es gut und richtig ist, aber mein Gefühl sieht das in diesem Augenblick anders. Nach gut einer Woche Ausgangsbeschränkungen merke ich, wie ich mir  wieder mehr Trubel wünsche. Ich vermisse die Menschen und den Kontakt, auch wenn es zwischendrin immer wieder schöne und aufmunternde Begegnungen gibt. Ein Gespräch vor der Kirchentür, natürlich mit zwei Meter Abstand, viele aufbauende Telefonate mit Menschen aus der Gemeinde, Freunden und Familie, Kontakte über Email.

Doch je länger die Zeit dauert, desto öfter höre ich auch von Anderen, mir fehlt die Gemeinschaft, es fehlt das Zusammensein am Sonntag, das gemeinsame Gebet, das Singen und Hören, die persönlichen Gespräche vor und nach dem Gottesdienst, die gemeinsame Tasse Kaffee. Auch das gehört zum Gottesdienst.

Der zweite Sonntag ohne Gottesdienst – nein, nicht ohne Gottesdienst, sondern ohne Gottesdienst mit „körperlich anwesende“ Personen, denn ich bin mir sicher, dass in diesen Tagen viele Menschen in ihren Wohnungen und Häusern Gottesdienst feiern. Angebote gibt es reichlich: Fernseh- und Radiogottesdienste, Angebote im Internet. Auf www.bayern-evangelisch.de  ist sogar eine Seite eingerichtet, die „Kirche von zu Hause“ heißt.

Diese Angebote sind gut und wichtig, denn sie stellen uns in die Gemeinschaft der Christen, auch wenn wir nicht gemeinsam in einer Kirche feiern, sondern jeder für sich - „von zu Hause“ eben.

Das Gefühl von Gemeinschaft kann sich auch hier einstellen, das Wissen, so wie mir geht es heute vielen  - ich bin in meiner Situation nicht allein, sondern getragen und verbunden – zusammen im Geist, verbunden in Jesus Christus.

Paulus beginnt seinen ersten Brief an die Korinther:

an die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen samt allen, die den Namen unsres Herrn Jesus Christus anrufen an jedem Ort, bei ihnen und bei uns: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Das ist auch eine wunderbare Dimension unseres Glaubens, dass wir an jedem Ort miteinander verbunden sind durch den Geist Gottes.

So wünsche ich uns, dass wir diese Verbundenheit, diese Gnade, diesen Frieden, den Segen spüren – alle an dem Ort, wo sie gerade sind. Dass es immer wieder Erfahrungen von Gemeinschaft gibt und dass Gott uns die Geduld und die Kraft gibt, diese Zeit, die an jede und jeden ganz eigene Herausforderungen stellt, mit Gottes Geist gut zu meistern und zu überstehen.

Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihr Pfarrerin Betina Heckner