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01.11.19 07:49 - Der neue Regionalbischof Christian Kopp im Porträt - "Ich strenge mich gerne an"

Christian Kopp ist ab 1. Dezember neuer Regionalbischof im Kirchenkreis München-Oberbayern. Der gebürtige Regensburger ist mit einer Pfarrerin verheiratet. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder, die Tochter ist Schulpsychologin, der Sohn hat Jura studiert. Kopp war die vergangenen sechs Jahre Dekan im Nürnberger Süden, zuvor zehn Jahre Pfarrer in der Kirche St. Georg in NürnbergKraftshof. Timo Lechner stellt den neuen Regionalbischof vor.

„Ich wandere gerne, gehe gerne bergauf und strenge mich auch gerne an“, bekennt Christian Kopp. „Das ist beim Radeln genauso, ich fahre die Hügel lieber rauf als runter.“

Er ist als Sohn eines Rummelsberger Diakons in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen, da hat ihn sein Vater immer auf die Berge mit hinauf geschleppt, seither hat er eine intensive Beziehung zu ihnen. Auch eine religiöse: „Auf den Bergen bin ich näher dran. Bei solchen Unternehmungen verschwimmt alles ein bisschen: Alle schwitzen gleich, wenn sie den Berg hinauf gehen, egal ob sie viel oder wenig haben.“ Aus seiner Arbeit in der Nürnberger Südstadt ist Kopp mit vielen Brennpunktthemen vertraut.

Die Vesperkirche der GustavAdolfGedächtniskirche fiel in seinen Verantwortungsbereich als Dekan: Jedes Jahr ab Januar lädt die Gemeinde dort Menschen aller sozialen Schichten sechs Wochen lang täglich zu warmen Mahlzeiten und einem umfangreichen Kultur- und Beratungsprogramm ein. 2019 gaben dabei rund 500 Ehrenamtliche etwa 24 000 Essen an die Besucher aus.

Mit sozialpolitischen Themen hat der scheidende Dekan auch in seiner Funktion als Beauftragter des Nürnberger Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (kda) zu tun. Beim »politischen Bußund Bettag« des kda Nürnberg trat der Theologe als Gastgeber auf.

In seinen bisherigen Begegnungen habe er in vielen oberbayerischen Orten »eine lebendige und fantasievolle evangelische Kirche wahrgenommen«, sagt Kopp. Ihn präge der Respekt »vor den gefundenen Lösungen anderer und die Überzeugung: Gemeinsam geht es besser.« Die Beziehungen zur katholischen Kirche und zu anderen Religionsgemeinschaften wolle er weiterhin »intensiv pflegen«, so der Theologe. 

Er möchte zunächst hören, was die Menschen im Kirchenkreis von ihm erwarten, „und die Bedürfnisse, die dabei auf mich zukommen, nehme ich ernst“. Natürlich habe er aber einige Ziele, die ihn schon als Dekan antreiben, die werde er auch als Regionalbischof weiter verfolgen. Die Kirche habe viel zu bieten, nicht nur, was das Wirken der Hauptamtlichen angeht, sondern auch, was die vielen Ehrenamtlichen in den Gemeinden machen. „Kirche ein Stück weit leuchten zu lassen, wo wir sind und wie wir sind, das ist mein Ziel.“ Vernetzung sei wichtiger denn je, gesellschaftliche oder ökologische Fragen könnten nur europaund weltweit gelöst  werden, so der Theologe. Deshalb müsse auch für die Kirchen als weltweit vernetzte Organisationen »der Blick ganz weit sein«. Es sei ein hohes Gut für die evangelische Kirche, »dass wir Geschwister sind auf diesem Planeten«, so Kopp. 

Als Mitglied in einem Bündnis aus Nürnberger Kirchen und Gewerkschaften, das im Mai die Kampagne „Europa. Gemeinsam. Wählen“ gestartet hatte, bekannte er sich auch als glühender Europäer. Dass diese Welt eine Welt ist, weil sie die Welt Gottes ist, das sieht er als „ganz generelle Sache, die man eigentlich auf die ganze Welt ausbreiten müsste“. Seine tiefe Überzeugung als Christ ist, dass Christus diese Welt versöhnen möchte. 

Das betreffe auch alle Menschen in ihren nationalen Orientierungen. „Ich halte aber im Moment gerade die europäischen Fragen, mit Blick auf die erhitzten Diskussionen im SüdOsten oder auch in Großbritannien für besonders dringlich. Deshalb: Alles fördern, was in die Richtung Dialog und Austausch geht. Wir haben da auch wirklich etwas zu sagen als Christen. 

„Aus meiner Sicht hat die Gottesliebe Folgen“, sagt Kopp. Er versuche niemals Unterschiede zwischen den Menschen zu machen. „Wir brauchen im christlichen Glauben eine Übereinstimmung zwischen dem, was wir glauben und was wir leben. Meine Überzeugung ist, dass Gott alle Menschen liebt. 

Für seine Entscheidung, Pfarrer zu werden, spielten viele Faktoren mit. „Wichtig waren meine Großeltern, die tief gläubige Protestanten waren“, erzählt er. „Am Sonntag hatte man einfach in die Kirche zu gehen. Meine Großmutter hat immer mit uns gebetet, einen kleinen Segen für uns Kinder gesprochen, wenn wir nach einem Besuch wieder gehen mussten.“ Zuhause wurde aber keine tiefe Frömmigkeit gelebt.

Es war dann die Konfirmandenzeit, als er „viele neue Leute“ kennen gelernt habe und plötzlich in der evangelischen Jugendarbeit mittendrin war. „Wir haben nächtelang diskutiert.“ Sein Vater hätte ihn gerne als Betriebswirt oder Jurist gesehen und hatte ihn schon in der Sparkasse GarmischPartenkirchen zu einer Lehre angemeldet. „Ich habe ihm dann aber irgendwann gesagt, dass ich lieber in München Theologie studieren will. Die beste Entscheidung meines Lebens. Vielleicht bis auf die, meine Frau zu heiraten.“

Die Freude am Beruf ist geblieben: „Für mich gibt es bis heute keinen Tag, an dem ich nicht aufstehe und mich darauf freue, was oder wer mir in meinem Beruf heute begegnet.“ Er ist leidenschaftlicher Radfahrer, joggt und schwimmt aber auch gerne. Er kann aber auch locker lassen. „Bei längeren Zugfahrten kann ich mal im Stillen beten.