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01.11.11 23:23 - Ansprache am 01. November 2011 Hohenaschau

Sehr geehrte Aschauerinnen und Aschauer,

Errette, die man zum Tode schleppt, und entzieh dich nicht denen, die zur Schlachtbank wanken.

So heißt es in den Sprüchen Salomos.
Und es steht da weiter:

Sprichst du:
»Siehe, wir haben's nicht gewußt!«,
fürwahr,
der die Herzen prüft, merkt es,
und der auf deine Seele achthat, weiß es
und vergilt dem Menschen nach seinem Tun.
(Sprüche 24,11-12 )
Errette, die man zum Tode schleppt,
und entzieh dich nicht denen,
die zur Schlachtbank wanken.

Wenn es einen Grund gibt, Jahr für Jahr der Opfer zu gedenken, dann mit dem festen Willen, dies zu tun –
Wenn es nottut.

Deshalb erinnern wir uns an die Schrecken des Krieges, an die Menschen, die dort ihr Leben gelassen haben,
weil wir glauben, dass  das Geheimnis der Erlösung  Erinnerung heißt.

Solches Erinnern ist das Gegenteil von Nostalgie und Rückwärtsgewandheit.

Es geht ja nicht darum,
etwas zu behalten und bewahren, was sich als falsch heraus gestellt hat.
Wir wissen es doch:
So viele – zu viele  sind den Trugbildern und Versprechungen aufgesessen,
Haben ihr Gewissen umdrehen lassen,
Haben ihre Sicherheit im Tragen von  Uniformen gesucht.

Zu viele waren froh,
dass ihnen einer sagt,
wo es lang geht,
Einer, dem man ohne nachdenken hinterher gehen kann.

Gehorsam  -
dieses Wort ist für alle Zeiten verdorben,
weil es missbraucht wurde,
weil unter diesem:
„ich habe ja nur Befehle ausgeführt†œ,
die schlimmsten Untaten geschehen sind,

Die Folge: Misstrauen –
ist notwendig
gegenüber denen,
die uns immer noch Befehle erteilen wollen,
gegenüber denen,
die von uns unbedingten Gehorsam verlangen.
    
Auch die in diesem Jahr aufgedeckten Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern durch Autoritätspersonen, wie Geistliche und Lehrer, und auch Väter –
zeigen, wie fatal es sein kann, Kinder zum unkritischen Gehorsam zu erziehen.

Die Trauer über die Opfer dieser Kriege -
deswegen sind wir ja heute hier wie jedes Jahr am 1. November -
Diese Trauer ist auch die Trauer über diesen Missbrauch von Begriffen, die uns doch  - ja  - fast heilig – waren und manchmal noch sind.

Gehorsam   - Ehre   - Pflichterfüllung   -  

Wann, sehr geehrte Aschauerinnen und Aschauer – wird es ein Denkmal in Aschau geben,
das zeigt,
dass wir aus der Geschichte gelernt haben,
dass wir auch unserer Opfer gedenken,
die durch unseren fehlgeleiteten
und falsch verstandenen Gehorsam,
wenn Nicht sogar durch unsere Gier und unseren Wahn - furchtbar gelitten haben und umgekommen sind ?

Wann  - wird es ein Denkmal für die Zwangsarbeiter hier in Aschau geben, die hier gelebt und gelitten haben?