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28.04.11 19:45 - „Thomas Bernhard – Abend†œ der Extraklasse: Willi Schwenkmeier referierte in Aschau.

Willi Schwenkmeier im Gespräch mit Pfarrerin Annelie Freund

Einen „Thomas Bernhard – Abend†œ der Extraklasse erlebten etwa 40 Literaturbegeisterte am Donnerstagabend im evang. Gemeindehaus in Aschau.  Willi Schwenkmeier,  Realschullehrer, Bergsteiger, Autor, Schauspieler und zuletzt auch Fastenprediger, seit Jahren Spaziergänger auf den Spuren Thomas Bernhards in Traunstein, entwickelte aus dem Stegreif eine Tour d‘Horizon durch Bernhards Leben und Werk, indem er beides ineinander verwob.

An den Anfang stellte er das Bernhard-Zitat aus „Heldenplatz†œ: „Die Wirklichkeit ist so schlimm, dass sie nicht beschrieben werden kann†œ und sprach dann über Bernhards Schmähkritik an Österreich (katholisch-nationalsozialistisch) und den Österreichern (...ununterbrochen zur Infamie und zur Geistesschwäche verurteilt). Wobei Bernhard grundsätzlich zu weiteren Steigerungen fähig gewesen sei und auch andere, wie zum Beispiel die Traunsteiner, nicht besser wegkamen. Es sei deshalb noch heute, 22 Jahre nach Bernhards Tod, undenkbar, dass die Stadt Traunstein ihrem großen Ziehsohn, der hier einige Jahre die Schule besucht hatte, ein Denkmal setzt.

Schwenkmeier schilderte Bernhards Leben, seine Kindheit in bitterer Armut, aus der heraus sich erkläre, dass er später Geld raffte und am Ende seines Lebens vier Häuser besaß. Als unehelich geborenes und ungeliebtes Kind orientierte sich Thomas Bernhard am Großvater, der sich zwar Dichter nannte und erfolgreich wähnte, in Wirklichkeit aber auf Kosten seiner Tochter gelebt habe. Schwenkmeier erzählte von Bernhards Aufenthalt im Lungensanatorium ab seinem 18. Lebensjahr, (nachzulesen in „Die Kälte†œ). In dieser Zeit starben sein Großvater und seine Mutter, aber er lernte seinen „Lebensmenschen†œ, die 35 Jahre ältere Hedwig Stavianicek kennen, die ihn später in die Wiener Gesellschaft einführte und der er bis zu ihrem Tode 1984 in enger Freundschaft verbunden blieb. Die Tatsache, dass Bernhard die wichtigsten Jugendjahre in der Abgeschiedenheit eines Sanatoriums verbracht hatte, erkläre auch, dass nichts über Beziehungen Bernhards zu Frauen bekannt sei. Thomas Bernhard: †œIch habe meine Arme nicht zum Umarmen...†œ.

Zum Abschluss des Abends stellte Schwenkmeier Thomas Bernhard als Autor eines Märchens vor und las die Geschichte vom Mann mit zwei Holzbeinen, der eine Wette abschließt, um sich besonders gut gefertigte Schuhe kaufen zu können. Im Verlauf dieser Wette, bricht er sich beide Holzbeine und bringt sich in Lebensgefahr, wird aber dann vom Ich-Erzähler gerettet und gewinnt die Wette. Am Ende strahlte Willi Schwenkmeier und feixte: „Fragt sich nur, was er mit den Schuhen will.†œ

Thomas Bernhard starb am 12. Februar 1989 im österreichischen Gmunden. Er wurde seinem Wunsch gemäß nur im Beisein seiner nächsten Angehörigen neben seiner mütterlichen Freundin Hedwig Stavianicek in Wien bestattet. Claus Peymann, unter dessen Regie die meisten seiner Stücke uraufgeführt worden waren, hatte sich nach einem vagen Hinweis auf Bernhards Tod auf den Weg gemacht. Er erreichte den Friedhof aber erst als die Beerdigung schon vorüber war.